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14. März 2014 Klaus Lederer, Carsten Schatz

Umsetzung der ISV II: Akzeptanz sexueller Vielfalt in der Kinderund Jugendhilfe

Drucksache 17 / 13 072

Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Klaus Lederer und Carsten Schatz (LINKE)

vom 20. Januar 2014 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 21. Januar 2014) und Antwort

Umsetzung der ISV II: Akzeptanz sexueller Vielfalt in der Kinderund Jugendhilfe

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Kleine Anfrage wie folgt:

1. Wie viele Fachkräfte in der Kinderund Jugendhilfe wurden bis heute im Rahmen der Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“ fortgebildet? Wie viele Fachkräfte, die bisher nicht an Fortbildungen zum Thema Akzeptanz sexueller Vielfalt teilgenommen haben, werden mit den hierfür vorgesehenen finanziellen Mitteln in den Jahren 2014 und 2015 voraussichtlich weitergebildet werden können?

Zu 1.: Im Jahr 2011 wurden 270 Fachkräfte der Kinderund Jugendhilfe fortgebildet, im Jahr 2012 waren es 774 Personen und im Jahr 2013 nahmen 868 Fachkräfte an Fortbildungen und Infoveranstaltungen teil. In den Jahren 2014 und 2015 ist jährlich mit einer ähnlichen Anzahl von Teilnehmenden zu rechnen.

2. Wie viele der im Bereich der Kinderund Jugendhilfe benannten Schlüsselpersonen wurden bislang noch nicht zum Thema Akzeptanz sexueller Vielfalt qualifiziert? Wie sollen diese erreicht werden?

Zu 2.: Im Bereich der Kinderund Jugendhilfe sind nach Erhebungen der „Bundesstatistik SGB VIII“ in 2.849 Einrichtungen bei einer Vielzahl von Trägern insgesamt 30.872 Fachkräfte beschäftigt. Die obere Leitungsebene der Kinderund Jugendhilfe ist vollständig über die Ansätze der Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“ (ISV) mit Info-Veranstaltungen erreicht worden. Die mittlere und untere Ebene wird fortlaufend in Form von Fortbildungsberatung, Seminaren und Tagungen erreicht.

3. Was hat der Senat unternommen, um, wie in der Antwort auf die Kleine Anfrage Drs. 17/10549 angekündigt, „Maßnahmen zur psychosozialen Unterstützung und zum Empowerment“ von LSBTTI*-Jugendlichen zu verstärken?

Zu 3.: Im Rahmen der ISV wird seit 2012 das Projekt queer@school des Jugendnetzwerkes Lambda BerlinBrandenburg entwickelt und durchgeführt. Es zielt explizit auf Empowerment und Partizipation von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* und queeren (LSBTIQ*-)Jugendlichen unter ausschließlichem Einsatz des „Peer-to-Peer-Ansatzes“. Das Projekt ist eingebunden in lokale Netzwerke und Qualitätszirkel.

4. Wie unterstützt der Senat konkret „Jugendfreizeiteinrichtungen in ihrem Bemühen, Hemmnisse der Inanspruchnahme ihrer Angebote für lesbische, schwule, bisexuelle sowie transund intergeschlechtliche Jugendliche durch entsprechende Konzepte weiter abzubauen“ (Antwort auf die Kleine Anfrage Drs. 17/10549)?

Zu 4.: Die Zuständigkeit für die konkreten Angebote der Jugendarbeit in Jugendfreizeiteinrichtungen liegt bei den Jugendämtern der Bezirke. Über fachliche Fragen, u. a. der Umsetzung von Diversityund Inklusionszielen besteht ein kontinuierlicher Austausch u. a. im Rahmen der Besprechungsstruktur der Berliner Öffentlichen Jugendhilfe. Über Angebote der sozialpädagogischen Fortbildung und über Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft wurde bereits in der Beantwortung der Kleinen Anfrage 17/10549 berichtet. Entsprechende Angebote zu Themen der "sexuellen Vielfalt in der Arbeit mit Jugendlichen" sind im aktuellen Fortbildungsgrogramm des Sozialpädagogischen Instituts BerlinBrandenburg enthalten.

5. Was unternimmt der Senat, um die Entwicklung des queeren Jugendzentrums des Jugendnetzwerks Lambda mit landesweiter Ausstrahlung zu einem Best-PracticeBeispiel für queere Vielfalt in der Jugendhilfe zu unterstützen?

Zu 5.: Das Jugendnetzwerk Lambda wird im Frühjahr 2014 ein "Queeres Jugendhaus" im Bezirk Pankow eröffnen. Der Bezirk überlässt dem Verein die barrierefreie Immobilie, in der vorher eine Jugendfreizeiteinrichtung untergebracht war, gegen Zahlung der Betriebskosten. Inwieweit sich aus den praktischen Erfahrungen des queeren Jugendhauses Hinweise für die fachliche Arbeit von Jugendfreizeiteinrichtungen ergeben, kann erst zu einem späteren Zeitpunkt wenn das Konzept in die Praxis umgesetzt wurde und eine Evaluation der Arbeit vorliegt entschieden werden. Die für Jugend zuständige Senatsverwaltung wird über Ergebnisse und die Praxiserfahrungen des queeren Jugendhauses informieren und den fachlichen Austausch hierzu in der Unterarbeitsgruppe Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit der Arbeitsgemeinschaft der Berliner öffentlichen Jugendhilfe sicherstellen.

6. Zu welchen Ergebnissen kam die gemeinsame Fachrunde von Senat und Bezirken, die „Möglichkeiten der konzeptionellen Entwicklung und strukturellen Anbindung niedrigschwelliger Angebote für diese Zielgruppe [d.h. lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und inter* Jugendliche; K.L./C.S.] prüfen“ (ebd.) sollte. Was ist seitdem zur Umsetzung unternommen worden?

Zu 6.: Die genannte Fachrunde hat noch nicht stattgefunden. Es wird im Übrigen auf das Projekt queer@school des Jugendnetzwerkes Lambda verwiesen, das explizit und kontinuierlich niedrigschwellige Angebote für die Zielgruppe entwickelt und durchführt.

7. Haben inzwischen alle Berliner Bezirke mit der Umsetzung des von QUEERFORMAT entwickelten und bereits im Jahr 2010 vorgestellten Qualifizierungskonzepts für Multiplikator*innen in der Kinderund Jugendhilfe begonnen? Wie weit sind die jeweiligen Fortschritte in der Umsetzung (bitte aufgliedern nach Bezirk und Vorhandensein eines lokalen Aktionsplans gegen Homophobie)?

8. Wie ist der jeweilige Stand der Realisierung der gemäß der Antwort auf die Kleine Anfrage Drs. 17/10510 geplanten kurz-, mittelund langfristigen Schritte zur Umsetzung des Qualifizierungskonzepts in den jeweiligen Bezirken?

Zu 7. und 8.: Für die lokalen Aktionspläne sind die Bezirke zuständig. Die Jugendämter der Bezirke melden ihren Bedarf an Ausbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren direkt an die Bildungsinitiative QUERFORMAT. Bisher sind die Jugendämter Mitte, Pankow, Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg in der

Durchführung und Weiterentwicklung von Multiplikationskonzepten beteiligt. Weitere Bezirke haben ihr Interesse an Strategieplanungen angemeldet, sind jedoch aufgrund von Personalengpässen nicht aktiv beteiligt. Der Schwerpunkt der Bildungsinitiative liegt für das Jahr 2014 weiterhin auf der Durchführung von Kurzfortbildungen, Tagesseminaren, Teamtagen und Basisseminaren für den Bereich der Kindertagesbetreuung.

Berlin, den 03. März 2014

In Vertretung

Sigrid Klebba

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

(Eingang beim Abgeordnetenhaus am 10. Mrz. 2014)

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